Business mit Flüchtlingen?


Die Gemeindevertretung (GVE) in Mühltal hat am 08.12.2015 die Bebauung ihres Bahnhofsareals mit Asylunterkünften beschlossen. Das umstrittene Projekt wirft aber mehr Fragen auf, als es entgegnet. Dort sind jetzt mehrere Unterkünfte im Baukastensystem vorgesehen, mit einer Lebensdauer von 30 Jahren, in denen über 150 Flüchtlinge wohnen sollen. Studentenwohnungen und weitere Häuser sollen ebenfalls erschaffen werden. Ein analoges Projekt und Erfahrungswerte über das Zusammenleben von Flüchtlingen und Studierenden können die Investoren dagegen nicht liefern.

Der Zufall, dass einer der beiden Investoren auch Fraktionsvorsitzender der Grünen im benachbarten Fischbachtal ist, wurde in der Sitzung nicht angesprochen. Auch dass der Grüne Kreisbeigeordneter (Darmstadt-Dieburg) dieses Vorhaben mit Eindringlichkeit unterstützt, blieb als Thema aus. Es überrascht also nicht, dass die meisten Grünen-VertreterInnen in Mühltal für dieses Vorhaben stimmten, obwohl sich das Areal in der unmittelbaren Umgebung des Vogelschutzgebietes “NATURA 2000 Steinbruch Nieder-Ramstadt” befindet. Die CDU baute sogar ein Schenkenszenario auf und appellierte zur schnellen “Bebauung von Asylunterkünften” am Bahnhof auf, da ansonsten die Sporthallen mit Flüchtlingen belegt werden und die Vereine ihre Aktivitäten einstellen müssen!

Ungewiss bleibt weiterhin die Finanzierung des Projektes bis zum Bauabschluss, da sowohl Sicherheit als auch Finanzvolumen nicht vollständig dargestellt werden. Neblig bleiben auch die auffallenden Zusatzkosten. Auf dem Gelände befinden sich bereits marode Container aus der Vergangenheit, die entsorgt werden müssen. Auch die Abbaukosten der jetzt geplanten Wohnungen nach 30 Jahren werden wohl auf die Gemeinde zurückfallen. Für die Integration der Flüchtlinge ist das Bahnhofsgelände in Mühltal nicht geeignet. Es liegt Abgelegen vom sozialen Leben und kann lediglich von nur einer Zufahrtstrasse erreicht und verlassen werden. Dies wurde auch vom Ausänderbeirat der Gemeinde in seiner schriftlichen Ablehnung zum Konzept angesprochen.

Eine Alternative wäre aus Sicht der LINKEN in Mühltal das alte Rathaus im Ort Traisa. Dies könnte für weniger Kosten als Flüchtlingsheim umgestaltet werden, ohne bestehende Naturlandschaften zu zerstören. Dort wären Flüchtlinge wesentlich besser in der Nachbarschaft integriert als am isoliert gelegenen Bahnhof. Ein renoviertes und bewohntes Gebäude würde so übrigens auch für spätere öffentliche Nutzungen für die Gemeinde gesichert und seine Bausubstanz bliebe erhalten.

“Die Verantwortung für die Unterbringung von Flüchtlingen darf nicht an Investoren abgegeben werden”, sagt Tanja Eick, Vorsitzende der LINKEN. “Die Lokalpolitik muss aufhören Menschen gegeneinander auszuspielen. Stattdessen sollten wir gemeinsam und kreativ darüber nachdenken, wie wir Flüchtlinge am besten integrieren.”


Für die LINKEN in Mühltal
Tanja Eick und Mario Guglielmi