Neuer Ortsteil für Mühltal am Bahnhof


Das muss man sich mal überlegen: da beschließt die letzte Gemeindevertreterversammlung der jetzigen Legislaturperiode die Bebauung eines faktisch neuen Ortsteils für Mühltal. Man kam kaum noch mit, welcher Beschluss in der jeweils folgenden Gemeindevertreter-versammlung schon wieder abgeändert wurde, was die Anzahl der Menschen betrifft, für die dort am Mühltaler/Traisa Bahnhof gebaut werden soll.

Mitte des Jahres ging es noch um 62 Menschen. Für die sollte eine marode Containeranlage, die schon 25 Jahre auf dem Buckel hatte, aufgehübscht werden. Dann Ende September das Konzept eines Investors, das auf 252 Menschen ausgelegt war. Das führte zu so vielen Debatten innerhalb der Gremien, dass die Beschlüsse ausgesetzt wurden und ein kleiner Arbeitskreis gegründet wurde, um zusammen mit den Investoren nachzuarbeiten. Nach 3 Sitzungen hatte der Investor dann sein Konzept soweit mit den Ergebnissen dieses Runden Tisches nachgebessert, dass es erneut in die Gemeindevertretung zur Abstimmung ging.

Jetzt wurde zugestimmt, jedoch für maximal 190 Personen! Was wir in der jetzt letzten Gemeindevertreterversammlung erleben durften, ist für die Öffentlichkeit nicht mehr nachzuvollziehen: anstatt für 190 Menschen soll jetzt für 300 Menschen gebaut werden. Nicht mehr 15 dreigeschossige Häuser sollen gebaut werden sondern 21. Und das alles, obwohl es bereits anders beschlossen worden ist. Wo war hier der Runde Tisch, der das neue Konzept diskutieren konnte?

Da beschließt die allerletzte Gemeindevertreterversammlung vor der Kommunalwahl in Mühltal faktisch einen neuen Ortsteil, der derzeit sogar noch bewaldet ist und komplett gerodet werden muss. Da soll mit dem hehren Anspruch an „Wohnraum für Menschen mit geringem Einkommen“ gebaut werden. Aber für wie lange können diese Menschen da leben? Die Nutzungsdauer der Wohneinheiten wird vom Investor mit 30 Jahren angegeben. Was ist denn dann in 30 Jahren? Bauen wir dann irgendwo neue Häuser, damit die Menschen aus den ausgedienten Häusern am Bahnhof ausziehen können? Und was ist dann mit den maroden Häusern? Wer reißt die ein und bezahlt das Ganze? Darf das dann der Steuerzahler übernehmen, oder wird das vertraglich so geregelt, dass der Investor den Rückbau bezahlt? Wenn denn schon Wohnraum für Menschen errichtet wird, dann orientiert man sich doch an Nachhaltigkeit und Standortvorteilen, die hier nicht erkennbar sind.

Es erscheint dem Beobachter eher, dass man hier ein vorne und hinten nicht stimmiges Konzept noch mit diesem Parlament auf den Weg bringen wollte, weil es mit dem neuen Parlament sicherlich schwieriger, wenn nicht gar unmöglich geworden wäre. Das alles hinterlässt einen schalen Geschmack im Mund, der uns noch lange bleiben wird.


Tanja Eick

Kreisvorsitzende DIE LINKE Darmstadt-Dieburg