Windkraft auf dem Silberberg


Wo blieben die befürwortende Stimmen?

von Karl-Heinz Goll

Auf der Mühltaler Bürgerversammlung am 09.03.2017 zu den geplanten 3 Windrädern auf dem Silberberg (Ober-Ramstadt) überwogen bei den Publikumsbeiträgen die Windkraft-Gegner aller Schattierungen. Wo blieben die befürwortende Stimmen? Es gab dazu nur vereinzelte Meldungen. Die Mühltaler Grünen z.B. waren völlig auf Tauchstation. Haben sie ganz den Geist aufgegeben und sind nur noch Anhängsel einer etablierten SPD-CDU-GroKo im Gemeindeparlament? Die Mühltaler Politiker einschließlich der Bürgermeisterin jedenfalls überließen den Anti-Windmühlen-Kämpfern weitgehend das Feld bzw. übten sich in opportunistischem Schweigen.

Seitens der Windkraft-Skeptiker gab es neben einigen relativ sachlichen Fragen zunächst Argumente wie: “…eigentlich bin ich ja für die Windkraftnutzung, aber nicht hier bei uns…”  bis hin zu Äußerungen einer sektenartigen Intransigenz, einem geradezu fanatischen Tunnelblick, die den harten Kern der Windkraft-Gegner auszeichnen. Von “Landschaftszerstörung” durch Flächeneingriffe und angeblich unerträglich-schauerliche Ausblicke auf Monster-Türme, vom Vogel-Schreddern  bis zu einem Lärm-Terror war die Rede, dem z.B. die Nachtruhe der Waldrand-Idylle am Lohberg zum Opfer fiele. Man kritisierte die Belastung der Steuerzahler durch Subventionierung der Windkraft oder erklärte diese gar ganz für überflüssig, ja man musste fast annehmen, dass Einige die Windkraft für eine der schlimmsten Plagen der Menschheit halten.

Gemeinsam an all diesen Argumenten ist deren Einseitigkeit und oft krasse Unverhältnismäßigkeit. Sicher gibt es negative Auswirkungen von Windkraftanlagen, insbesondere die  Eingriffe in die Landschaft. Inzwischen gibt es aber Regeln und Prüfkriterien, die Grenzen gegen unverträglichen Wildwuchs setzen. Aber was sind die punktuellen Eingriffe für die Windmühlen  z.B. im Verhältnis zum Landschaftsfraß und zur Biotopzerschneidung durch Straßen-und Autobahnbau? Oder gegenüber dem flächenfressenden Landschaftsverbrauch durch Neubaugebiete?

Die Geräuschentwicklung von Windrädern -ein sanftes Rauschen- wird z.B. an der Roßdörfer Geburtstagsallee (dort stehen seit einigen Monaten 2 Windräder) vom Pegel der B 26 und vom permanenten Fluglärm weitgehend überdröhnt; sie ist im Abstand von wenigen 100m je nach Windstärke überhaupt nicht mehr wahrnehmbar. Oder ein Auto auf der Hutzelstraße macht meist mehr Lärm, als die Neutscher Windräder.

Windräder beeinträchtigen weder Landschaftsgenuß noch Naherholung, wenn man sie als sinnvolle, friedliche  und nachhaltige Form der Energiegewinnung betrachtet und nicht als schauerliche Industriemonster wähnt, wie einst Don Quichotte. Was sind die Zahlen toter Vögel durch Windräder gegen die Hekatomben toter Tiere entlang der Landstraßen und Autobahnen? Was ist mit Feinstaub und CO2-Emissionen? Ganz zu schweigen von den Kriegen und Naturzerstörungen, dem Raubbau an endlichen Ressourcen durch Öl- und Gasverbrauch, womit in wenigen Generationen unwiederbringlich verfeuert wird, was in vielen Millionen Jahren entstanden ist?

Ohne Milliarden-Subventionen für die Atomindustrie hätte es nie Atomkraftwerke gegeben. Was sind die Anschubsubventionen für regenerative Energien gegenüber den unabsehbaren Kosten des Atomkraft-Rückbaus und der Endlagerung von Atommüll, die künftige Generationen noch auszubaden haben?

Gewiß fehlen Speicherkapazitäten für Strom aus Sonne und Wind. Warum kritisiert man aber nicht die gesamte von Stromkonzernen und deren Lobby beherrschte Energiepolitik, die an Kohle- und Braunkohle-Dreckschleudern festhält und damit offenbar  kein gesteigertes Interesse am Ausbau von Speichermöglichkeiten zeigt? Die Vertreter von ENBW (Projektentwickler für den Silberberg) konnten bei der Bürgerversammlung dazu jedenfalls nichts Positives vermelden. Immerhin gibt es Forschungsprogramme und vielversprechende Pilotprojekte z.B. für “Windgas”:

https://www.h2bz-hessen.de/mm/Wind-Wasserstoff_geschuetzt.pdf

Mühltal
14.03.2017