FSC kann jeder, Naturland ist besser!


Ökologische Nutzung des Mühltaler Gemeindewaldes

von Franz Fujara

Viele Wälder in Deutschland werden inzwischen nachhaltig und ökologisch bewirtschaftet. Seitens der Naturschützer wird heute die klassische Waldnutzung, die sich früher schon bei einer erreichten Balance von Einschlag und Nachwuchs als „nachhaltig“ loben ließ, abgelehnt, weil sie nicht hinreichend Rücksicht auf die Entwicklung der Artenvielfalt nimmt. In den Medien, aber auch in der Forstwirtschaft selbst findet im Augenblick ein in diese Richtung gehendes Umdenken statt. In unserer Gemeindepolitik sind wir aber leider noch nicht soweit.

Aktuell wird in Mühltal die sogenannte „Forsteinrichtung“, eine Art Flächennutzungsplan für den Wald, gültig für die nächsten 10 Jahre, beraten und verabschiedet. Dieser Plan schlägt immerhin vor, die Menge des in unserem Kommunalwald geschlagenen Holzes etwas zu begrenzen. Das Parlament hatte letztes Jahr beschlossen, auch die Wirtschafts- und Arbeitsweise der von uns mit den Waldarbeiten beauftragten Firma „HessenForst“ durch eine „unabhängige“ Kontrollinstanz kontrollieren zu lassen (Stichwort: FSC-Zertifizierung, das sind weltweite Standards des sog. Forest Stewardship Council). All das hört sich gut an. Ist es auch so gut?

Leider nicht wirklich! Denn immer wieder mussten wir bisher feststellen, dass  Einschlagsmengen unnötig hoch ausfielen (siehe Leserbrief von Karin Mühlenbock in der Aprilausgabe der Mühltalpost), dass auch während der Setz- und Brutzeiten gefällt wurde, dass waldboldenzerstörende Harvester zum Einsatz kamen und manches mehr. Auch die FSC-Kriterien selbst stellen an vielen Stellen nur einen faulen Kompromiß zwischen Ökologie und Ökonomie dar.

Wir wünschen uns deshalb einen konsequenten Umstieg auf eine ökologische Waldnutzung, die ihren Namen auch verdient. Eine Möglichkeit, die wir politisch auch vorschlagen, ist eine Waldwirtschaft nach den „Naturland-Richtlinien“ (www.naturland.de). Mühltal sollte, als moderne und ökologisch orientierte Gemeinde, den Beispielen aus u.a. Wiesbaden, München, Boppard, Hannover, Bonn oder Saarbrücken folgen und den eigenen Gemeindewald durch eine Zertifizierung  nach den Naturland-Richtlinien absichern. Ein solcher Gemeindewald wäre ein Gewinn für die Natur, hätte einen höheren Erholungswert und stellte ein Aushängeschild für Mühltal dar. Finanziell machbar wäre das für unsere Gemeinde übrigens ohne jedes Problem. Man müsste es nur wollen.

11.04.2017