Menschen mit blauen Müllsäcken


Ein Gefühlsbericht über ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in Mühltal

von Gabriele Schimmer-Leisterer

Als ich darüber nachdachte, was mir bei dem Thema Flüchtlingshilfe in meiner ehrenamtlichen Tätigkeit als Helferin zuerst einfällt, so waren es die vielen Menschen, die mit blauen Müllsäcken, in denen sich ihr Hab und Gut befand, den Bussen entstiegen, die sie zu ihren Unterkünften gebracht hatten. Müde, erschöpfte Menschen, die fast regungslos unsere ersten Verständigungsversuche und Hilfen entgegen nahmen.

Viele Helfer und Helferinnen sammelten sich im von Ruth Breyer neu gegründeten Netzwerk Asyl, dort trugen sich zunehmend mehr Mitglieder ein, es entstand ein wahres „Netzwerk”, das unsere Neuankömmlinge versorgte, mit allem, was sie auch täglich brauchten. Vom Kauf einer Zahnbürste bis zur Kontoeröffnung, Behördentermine und Arztbesuche, bei jedem dieser Schritte waren ehrenamtliche Helfer begleitend tätig, stützend, tröstend, manchmal auch selbst an der Grenze  der eigenen Möglichkeiten, wenn z.B. Sprachprobleme und manches Missverständnis mit Ämtern zu Frustrationen führte.

Jeder setzte sich dennoch dafür ein, mit dem, was er oder sie an Fähigkeiten einbringen konnte. So entwickelte sich eine Gemeinschaft mit Ehrenamtlichen und Flüchtlingen, die nun seit fast zwei Jahren existiert. Deutschkurse und Fahrradvergabe, Training zu Selbständigkeit, Fußball, das Alleine-Gehen-Lernen, da A und O in der noch fremden neuen Heimat mussten eingeübt werden. Aber auch die ständige Angst vor möglicher Abschiebung, Angst, die Briefe zu öffnen, womöglich konnte ja eine schlechte Nachricht enthalten sein. Kinder, die schon früh Verantwortung übernehmen müssen, für ihre Eltern übersetzen, weil sie in Schule und Kindergaren schneller Anschluss finden und die neue Sprache lernen.

Ich würde mir mehr Unterstützung wünschen von mehr eingestellten Fachkräften oder Sozialarbeitern, die noch in der Unterzahl sind. Mein Traum ist, dass in Deutschland für eine gewisse Zeit jeder in Form einer Patenschaft eine Flüchtlingsfamilie unterstützen würde und die vielen leerstehenden Häuser und Wohnungen zur Verfügung gestellt würden, wir hätten vermutlich eine höhere Quote an gegenseitiger Integration, weil das Miteinander und voneinander lernen, Vertrauen erzeugt und zulässt, auch über Unterschiede in einem Dialog zu sprechen.

Unser Flüchtlings-Café, gemeinsame Feste, Musizieren, das Schöne im Leben gemeinsam entdecken, das ist, aus meiner mehrjährigen ehrenamtlichen Tätigkeit gesehen, jederzeit möglich. Ich habe mich selbst noch mehr in die eigene Heimat integriert, weil ich spüre, dass es gemeinsam eine bereichernde, entwicklungsreiche und persönlichkeitsbereichernde Arbeit ist, die den Horizont erweitert und das Leben intensiver werden lässt.

Gabi Schimmer-Leisterer