Grüne lehnen „Naturland“ ab!


Mühltal, 10.05.2017

Für die Zertifizierung des eigenen Gemeindewaldes nach den Naturland-Richtlinien hat sich die Fraktion DIE LINKE in Mühltal mit einem Antrag in der Gemeindevertretung am 09.05.2017 eingesetzt. Doch die Mehrheit, darunter auch die Grünen-Fraktion, lehnten diesen aus ökologischer Sicht wichtigen Antrag ab.

„Bei den Mühltaler Grünen ist jetzt nicht einmal mehr die Hoffnung grün“, so Mario Guglielmi von den LINKEN: „In fast allen Medien, aber auch in der Forstwirtschaft selbst, mit dem Pionier der ökologischen Waldbewirtschaftung Peter Wohlleben ganz vorn, findet endlich ein ökologisches Umdenken in Sachen Waldwirtschaft statt, nur bei den „Grünen“ nicht. Mühltal könnte problemlos den Beispielen aus Wiesbaden, München, Bonn oder Saarbrücken folgen und den eigenen Gemeindewald durch eine Naturland-Zertifizierung schützen. Ein solcher Wald wäre ein Hauptgewinn für Flora und Fauna, hätte einen höheren Erholungswert und stellte ein Prädikat für unsere Waldregion dar. Dass dieser Gedanke, sei es aus politischem Opportunitätsdenken oder persönlicher Unfähigkeit nicht ankommt, ist eine grüne Blamage“.

„Unser Vorhaben war und ist es immer noch, neben einer möglichen FSC-Zertifizierung, unseren Wald durch eine Zertifizierung nach den strengeren „Naturland“-Kriterien vor allem für die kommenden Generationen zu erhalten“, erklärte Franz Fujara, Fraktionsvorsitzender der LINKEN: „Der FSC-Prüfungsablauf für Mühltal wurde mit viel Kritik (auch in der Lokalzeitung „Darmstädter Echo“) an der Vorgehensweise der Agentur IMO-Swiss, die die Begutachtung zur FSC-Zertifizierung die Waldwirtschaft begutachtete, begleitet. Dagegen hat der Naturland-Verband, in Zusammenarbeit mit BUND, Greenpeace und Robin Wood, weiterreichende Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung erarbeitet, u.a. bei der Festsetzung von größeren zusammenhängenden Schutzflächen oder beim strengeren Verzicht des Einsatzes von waldbodenzerstörenden Harvestern.“ (Harvester: schwere Holzvollernter).

Hintergrund:

In Mühltal fand die Beratung und Verabschiedung der sogenannten „Forsteinrichtung“ statt, einer Art Flächennutzungsplan für den Wald, gültig für die nächsten 10 Jahre. Das Mühltaler Gemeindeparlament hatte letztes Jahr beschlossen, auch die Wirtschafts- und Arbeitsweise der mit den Waldarbeiten beauftragten Firma „HessenForst“ durch eine „unabhängige“ Kontrollinstanz prüfen zu lassen. Das Stichwort lautet hier FSC-Zertifizierung.

Immer wieder wurde aber in Mühltal (auch in Darmstadt oder Seeheim) von der BI-Waldschutz Darmstadt und Dieburg festgestellt, dass Einschlagsmengen unnötig hoch ausfielen oder dass auch während der Setz- und Brutzeiten gefällt wurde. Selbst die FSC-Kriterien stellen an vielen sensiblen Stellen nur einen dekorativen Kompromiß zwischen Ökologie und Ökonomie dar (mehr Infos: www.pro-walderhalt.de).

Ein konsequenter Umstieg auf eine ökologische Waldnutzung, die ihren Namen auch verdient, ist deshalb erstrebenswert. Die definitiv bessere Möglichkeit, ist eine Waldwirtschaft nach den „Naturland-Richtlinien“ (www.naturland.de) zu betreiben. In Deutschland hat „Naturland“ die Standards gesetzt, an dem sich viele Zertifizierungssysteme orientiert haben. Dabei ist die Kontrolle durch unabhängige Gutachter die Basis für die Glaubwürdigkeit des Naturland-Siegels.

Fraktion DIE LINKE. Mühltal