FSC-Wald-Logo unkontrollierbar?


Wir fordern eine Bürgerversammlung zum Thema Waldwirtschaft !


Die verfügbaren Informationen der Mühltaler Bevölkerung zu den Themen Waldwirtschaft, FSC-Zertifizierung und Waldschutz sind ungenügend. Die Beschwerden der BürgerInnen über die Waldwirtschaftsart und das Sinken des Naherholungswerts, trotz FSC-Prädikat, erreichen Lokalmedien und Parteien. Diese Sorgen müssen von der Gemeinde ernst genommen werden.

Zu diesem Zweck hat die LINKE. Fraktion in Mühltal am 16.03.2018 den Vorsitzenden der Gemeindevertretung aufgefordert, noch im laufenden Kalenderjahr 2018 eine Bürgerversammlung zum Thema „Waldwirtschaft“ vorzubereiten und durchzuführen. Explizit erwünscht ist die Teilnahme der Verwaltung, des aktuell zuständigen Försters, der Firma Immo Swiss AG und der Waldschutz-BürgerInitiative Darmstadt-Dieburg.

Transparenz jetzt!

Die Gemeinde Mühltal räumt es jedenfalls ein: Eine Kontrolle des FSC-Standards durch die Verwaltung ist nicht möglich. So lautet jedenfalls die Antwort auf eine entsprechende  Anfrage der LINKEN-Fraktion vom Februar 2018. Zur „Überwachung der Standards“ verweist die Verwaltung auf die Firma Immo Swiss AG, ein von FSC-Deutschland selbst beauftragtes und anerkanntes Zertifizierungsbüro. So werden aber die kritischen Stimmen aus Mühltal und der Region, die die Wirksamkeit des Schutzes des Waldes durch das FSC-Siegel stark in Frage stellen, nicht verstummen.

„Der konstruktive Dialog und die Auflösung offener Fragen zwischen Forst, Umweltaktivisten, Verwaltung und Bevölkerung stellt hierzu eine demokratische und  zivilgesellschaftliche Pflicht dar“, betont Mario Guglielmi (LINKE Mühltal).

Kommunikation: Mehr Fragen als Antworten!

Das Mühltaler Gemeindeparlament hatte im Jahr 2016 beschlossen (nachdem die GRÜNEN vorher jahrelang dagegen waren), die aktuell seitens des Forstbetriebes HessenForst durchgeführten Arbeiten im gemeindeeigenen Wald gemäß der FSC (Forest Stewardship Council)-Kriterien überprüfen und zertifizieren zu lassen. Ende 2017 wurde endlich bekannt, dass dieser Zertifizierungsprozess für den Mühltaler Wald erfolgreich verlaufen sei.

Als besonders glücklos dagegen ist der öffentliche Informationsfluss aus der Gemeinde zu den Themen Waldwirtschaft, FSC-Zertifizierung und Waldschutz anzusehen. Während des FSC-Prozesses wurden immerhin geprüft, ob die Bewirtschaftung des Waldes, das Holzverkaufssystem und die verfügbare Forst-Dokumentation dem Deutschen FSC-Standard entspricht. Nach dieser Prüfung wurde ein sog. Zertifizierungsbericht mit Empfehlungen und Auflagen für die zukünftigen Arbeiten des aktuellen Forstbetriebes erstellt. „Als Waldbesitzer haben Sie Gelegenheit, die Inhalte vor der endgültigen Beurteilung zu kommentieren“, so bei FSC.

Über den genauen Ablauf der Zertifizierung innerhalb der dafür errichteten kommunalen FSC-Gruppe ist die Mühltaler Gemeindevertretung (GVE) so gut wie gar nicht informiert worden, auch der Umweltausschuss wurde zur Beratung nicht hinzugezogen. Lediglich das einseitige Zertifizierungsdokument wurde lapidar per Email-Anhang den Gremien-Mitglieder weitergeleitet. Sogar über das Eingehen und das Vorhandensein des kompletten Zertifizierungsberichts für Mühltal im Juli 2017 wurde die GVE nicht unmittelbar zur Kenntnis gesetzt. Diese Information wurde von der Verwaltung „nebenbei“ und erst durch die Beantwortung einer LINKEN-Anfrage im September 2017 weitergegeben!

Der FSC-Bericht und die darin gefaßten Auflagen für HessenForst wurden daher vor Abschluss der Zertifizierung innerhalb der Gremien nicht kommuniziert. Lediglich der Abschnitt A (Öffentlicher Teil) wurde a posteriori den GVE-Mitgliedern und der Bevölkerung zugänglich gemacht. Eine öffentliche Auskunft bzw. Aufklärung über die für den Mühltaler Wald relevanteren Daten im Abschnitt B des Berichtes (Nicht-öffentlicher Teil) hat bis heute nicht stattgefunden. Die Verwaltung weist hier auf die Möglichkeit hin, „bei FSC Deutschland oder beim Zertifizierer vorstellig zu werden“.

Wir versuchen zusammenzufassen: die Gemeinde Mühltal beauftragt aktuell HessenForst, den eigenen Wald zu bewirtschaften. Um das Holz aus dem Wald mit dem FSC-Logo zu versehen, wurde FSC-Deutschland nach Beschluss der Gemeindevertretung beauftragt, die Arbeiten von HessenForst auf FSC-Standards zu prüfen. Die Prüfung und Zertifizierung nach FSC wurde an das von FSC-Deutschland selbst beauftragte Zertifizierungsbüro Immo Swiss AG übergeben. Immo Swiss soll daher einen Forstbetrieb begutachten, der während der Prüfung gleichzeitig als Vertreter der Auftraggeberin (Gemeinde Mühltal) agiert. Die Befürchtung einer Unvereinbarkeit dieser beiden Rollen bzw. Interessen ist hier geboten.

Lösungen nicht länger blockieren

Unser Wald gleicht mittlerweile einer Holzlagerhalle. Überall sind gestapelte Stämme zu sehen, einige sind markiert, andere nicht und andere faulen einfach vor sich hin. Die Abnehmer verlagern somit kostenlos ihren Lagerplatz in den Wald. Was nicht sein sollte, denn auf diesen Lagerflächen kann kein Holz mehr nachwachsen. Dies sollte den Förstern von HessenForst eigentlich bekannt sein.

Immer wieder wurde auch von der BI-Waldschutz Darmstadt-Dieburg festgestellt, dass in den Wäldern Mühltals, Darmstadts oder Seeheims Einschlagsmengen unnötig hoch ausfallen oder dass auch während der Setz- und Brutzeiten gefällt wird.

„Der FSC-Prüfungsablauf für Mühltal wurde mit viel Kritik, auch im Darmstädter Echo, an der Vorgehensweise der Agentur Immo Swiss begleitet. Die definitiv bessere Variante wäre eine Waldwirtschaft nach den Naturland-Richtlinien“, erklärt Franz Fujara, Fraktionsvorsitzender der LINKEN in Mühltal: „In Deutschland hat Naturland die Standards gesetzt, an denen sich viele Zertifizierungssysteme orientiert haben und darüber hinaus weiterreichende Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung erarbeitet, u.a. bei der Festsetzung von größeren zusammenhängenden Schutzflächen oder beim strengen Verzicht von waldbodenzerstörenden Holzvollerntern.“

Für die Zertifizierung des eigenen Gemeindewaldes nach den Naturland-Richtlinien hat sich die Fraktion DIE LINKE in Mühltal mit einem Antrag in der Gemeindevertretung im Mai 2017 eingesetzt. Doch die Mehrheit, darunter auch die Grünen-Fraktion, lehnte diesen aus ökologischer Sicht wichtigen Antrag ab. Auch ein Antrag der lokalen Wählergemeinschaft FUCHS im September 2017, eine Erhaltungssatzung für den Mühltaler Wald festzulegen, fand keine „grüne“ Mehrheit.