Greenpeace beendet seine Mitgliedschaft im FSC


Darmstadt und Mühltal sollten es auch tun !

von Mario Guglielmi

13.04.2018

Fügung oder Drama? Im Jahre 1993 glaubten alle noch fest daran, mit einem Wald-Siegel einen internationalen Standard erschaffen zu haben, um für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft zu garantieren. Vor genau 25 Jahren wurde zu diesem Ziel der FSC (Forest Stewardship Council) von Industrievertretern und ausgerechnet Greenpeace ins Leben gerufen. Nach einem Vierteljahrhundert voller Erkenntnissen und Enttäuschungen beenden sowohl Greenpeace-International als und Greenpeace-Deutschland ihre Mitgliedschaft beim FSC.

Christoph Thies, Greenpeace-Experte für Wälder, erläuterte am 06.04.2018 in einem internen Interview die Hintergründe für diese rigorose Entscheidung, die auf jahrelange Greenpeace-Dokumentationen basiert. Trotz FSC wurden bisher Urwälder abgeholzt (in Russland und im Kongobecken), industrielle Waldwirtschaftsprojekten in Urwäldern durchgeführt und die Herkunft von Holzprodukten nicht kenntlich gemacht. Christoph Thies fordert „bei den Verantwortlichen im FSC ein Umdenken“. „Zur glaubwürdigen Zertifizierung gehört eine hundertprozentige Transparenz.“

Diese Transparenz vermissen wir für unseren inzwischen FSC-Zertifizierten Mühltaler Wald ebenfalls! Die Gemeinde Mühltal räumte es ein: Eine Kontrolle des FSC-Standards durch die Verwaltung selbst ist nicht möglich. So lautete die Antwort auf eine entsprechende  Anfrage vom Februar 2018. Zur „Überwachung der Standards“ verweist die Verwaltung auf die Firma Immo Swiss AG, ein von FSC-Deutschland selbst beauftragtes und anerkanntes Zertifizierungsbüro.

Über den genauen Ablauf der Zertifizierung des Darmstädter und Mühltaler Waldes im Jahre 2017  – innerhalb der dafür errichteten kommunalen FSC-Gruppe-  wurde die Mühltaler Gemeindevertretung (GVE) so gut wie gar nicht informiert, auch der Umweltausschuss wurde zur Beratung nicht hinzugezogen. Lediglich das einseitige Zertifizierungsdokument wurde lapidar per Email-Anhang den Gremien-Mitglieder weitergeleitet. Sogar über das Eingehen und das Vorhandensein des kompletten Zertifizierungsberichts für Mühltal im Juli 2017 wurde die GVE nicht unmittelbar zur Kenntnis gesetzt. Diese Information wurde von der Verwaltung „nebenbei“ und erst durch die Beantwortung einer Fraktionsanfrage im September 2017 weitergegeben!

Der konstruktive Dialog und die Auflösung offener Fragen zwischen Forst, Umweltaktivisten, Verwaltung und Bevölkerung stellt aber eine demokratische und  zivilgesellschaftliche Pflicht dar. Zu diesem Zweck hat die LINKE. Fraktion in Mühltal am 16.03.2018 den Vorsitzenden der Gemeindevertretung aufgefordert, noch im laufenden Kalenderjahr 2018 eine Bürgerversammlung zum Thema „Waldwirtschaft“ vorzubereiten und durchzuführen. Explizit erwünscht ist die Teilnahme der Verwaltung, des aktuell zuständigen Försters, der Firma Immo Swiss AG und der Waldschutz-BürgerInitiative Darmstadt-Dieburg.

Gibt es Alternativen zum FSC-Siegel? Ja sagt Franz Fujara (Fraktionsvorsitzender der LINKEN in Mühltal): „Die definitiv bessere Variante wäre eine Waldwirtschaft nach den Naturland-Richtlinien. In Deutschland hat Naturland die Standards gesetzt, an denen sich viele Zertifizierungssysteme orientiert haben und darüber hinaus weiterreichende Richtlinien zur ökologischen Waldnutzung erarbeitet, u.a. bei der Festsetzung von größeren zusammenhängenden Schutzflächen oder beim strengen Verzicht von waldbodenzerstörenden Holzvollerntern.“ Auch Christoph Thies sagt: „In Deutschland haben wir noch das Waldzertifizierungssystem nach Naturland, das strenger ist als das des FSC.“


Link: https://www.greenpeace.de/themen/waelder/maengelexemplar-qualitaetssiegel